Abschnittsübersicht

    • WILLKOMMEN!

      Ich habe mich bemüht, diesen Kurs von einem ursprünglich semesterbegleitenden Kurs umzugestalten. In der jetzt bereitstehenden Form soll es eine von Zeit und Raum weitgehend unabhängige Ressource sein. (Lassen Sie sich bitte nicht davon verwirren, wenn Sie hier und da noch ein veraltetes Datum in einem der Textfelder oder den alten Ankündigungen finden. Das muss Sie nicht weiter beunruhigen.)

      Wichtig ist, dass Sie den Aufbau verstehenden: Selbststudium ist sehr leseintensiv. Um dieses Lesen im Selbststudium fruchtbar zu machen, stehen im Vordergrund konkrete Erkenntnisziele des Kurses. Sie lassen sich in drei Abschnitte gliedern. Der erste Abschnitt soll vermitteln, wie sich die Soziolinguistik ausgehend von der Beobachtung, dass innerhalb von Sprachgemeinschaften eine große Variation besteht, etabliert hat. Lange hat man die Variation als Effekt unterschiedlicher Zugehörigkeiten (lokale Gemeinschaften mit ihren Dialekten) verstanden. Bestimmte Aussprachevariationen sind auch identifziert worden als Korrelate bestimmter sozialer Gruppen. Solche variationslinguistischen Ansätze stellen einen wichtigen Impetus für die Soziolinguistik dar. Dabei sind zunächst eher die sprachlichen Markierungen als "Aushängeschilder" bestimmter sozialer oder regionaler Zuordnungen verstanden worden. Dann aber ist auch deutlich geworden, dass das Annehmen bestimmter Sprechweisen Personen somit ebenfalls als Mechanismus betrachtet werden kann, anhand dessen sich Personen zu Gruppen zuordnen bzw. zugeordnet werden. Um diese Themen geht es im ersten Leseblock. 

      Im zweiten Themenbereich geht es um Fragen von Sprachkontakt. Auch hier haben wir es mit Phänomenen zu tun, die soziale Interaktionen und Kontakte zwischen Personen unterschiedlicher (Sprach-)Gruppen einbeziehen. Oft ist der Ursprung des Interesses dabei ein sprachstruktureller. In allen Sprachen finden sich sprachstrukturelle Merkmale (Wörter im Lexikon, grammatische Phänomene, Aussprache, Informationsanordnung und -präsentation), die sich historisch nicht auf eine geradlinige Entwicklung von der Sprache der Vorfahren zurückführen lässt. Hier wird zum Beispiel angenommen, dass im Kontakt entlehnt wird. Gerade hinsichtlich von Lexikon kennen wir das alle tausendfach aus unserem Alltag. Die deutschen Verben "chillen" und "chatten" sind ganz klar englischen Ursprungs. Je nach Intensität des Kontakts kann das aber noch ganz andere Dimensionen annehmen. So ist versucht worden, auf Grund der sprachlichen Merkmale Rückschlüsse auf bestimmte Kontaktsituationen in der Vergangenheit zu ermitteln. Mit anderen Worten: am sprachlichen Befund wollte man (kulturelle, demographische, soziale, politische...) historische Entwicklungen ablesen. Damit befinden wir uns wieder im Bereich der Soziolinguistik, also der Schnittstelle von Sprache und Gesellschaft.  

      Themenblock 3 schließlich setzt diese Überlegungen noch einmal fort. Trudgill fragt nach den sozialen Voraussetzungen für die Entstehung komplexer Strukturen in Sprache. Ich nehme es mal vorweg: Im Kern sagt er, dass geringere Komplexität in einer Sprache (z.B. die weitgehende Abwesenheit von Phänomenen wie dem grammatischen Geschlecht oder komplexen morphologischen Kasussystemen, die einen höheren Lernaufwand mit sich bringen) oft darauf zurückgeht, dass eine solche Sprache eventuell als später erlernte Fremdsprache/Zweitsprache von vielen Menschen verwendet wird. Hierzu ein Beitrag von ihm im Lesematerial. Der andere Beitrag hat dann noch einmal mit Fragen von Sprachhaltungen zu tun. Wichtig ist nämlich bei der Schnittstelle Sprache und Gesellschaft nicht aus den Augen zu verlieren, dass alle sprachlichen Merkmale, Mechanismen und Praktiken ja nicht "von selbst" passieren, sondern immer intentionales menschliches Verhalten, und damit auch Haltungen, Einschätzungen, Strategien und Urteilsbildungen mit sich bringen. Das schließt das Lesevolumen ab. 

      Nicht verfügbar, außer: Sie sind in 2020-21
    • Dieser Moodle-Kurs begleitet die Veranstaltung "Soziolinguistische Theorien und Modelle", ein sogenanntes Angeleitetes Literaturstudium des Instituts für Afrikanistik. Hier sind Texte und Termine für das Sommersemester 2022 zu finden: dreimal mittwochs um 14.00 Uhr in Präsenz im Raum Neue Mensa NM 507 (Campus Bockenheim), durchgeführt von Bernhard Köhler.

      Nicht verfügbar, außer: Sie sind in 2022
    • Kursplan SoSe 2022 Datei
      Nicht verfügbar, außer: Sie sind in 2022
    • Nachrichten und Ankündigungen.
  • Hervorgehoben

    Treffpunkt: 8:15 Uhr, Seminarhaus1.102 (Campus Westend)

    Immer zu Beginn eines jeden Semesters findet eine erste gemeinsame Besprechung statt. Auch wenn es sich bei dem Selbststudienmodul eben um ein Modul handelt, das Studierenden die Möglichkeit gibt, nach eigenem Tempo und in eigener Regie/Zeitgestaltung vorzugehen, hat es sich doch als hiflreich erwiesen, ein wenig Struktur zu verleihen und die zentralen Eckdaten zu beschreiben, damit das Lesen der Materialien nicht so ganz im "Freiflug" erfolgt.

    Ich werde die Liste an Literatur einmal kurz durchgehen, ein wenig zum Aufbau des Kurses sagen, und wir sprechen die weiteren Termine ab, die wir später im jeweiligen  Semester nutzen wollen, um in kurzen gemeinsamen Gesprächsrunden Inhalte und kritische Punkte der Literatur zu diskutieren.


    Immer zu Beginn eines jeden Semesters findet eine erste gemeinsame Besprechung statt. Auch wenn es sich bei dem Selbststudienmodul eben um ein Modul handelt, das Studierenden die Möglichkeit gibt, nach eigenem Tempo und in eigener Regie/Zeitgestaltung vorzugehen, hat es sich doch als hiflreich erwiesen, ein wenig Struktur zu verleihen und die zentralen Eckdaten zu beschreiben, damit das Lesen der Materialien nicht so ganz im "Freiflug" erfolgt.

    Ich werde die Liste an Literatur einmal kurz durchgehen, ein wenig zum Aufbau des Kurses sagen, und wir sprechen die weiteren Termine ab, die wir später im jeweiligen  Semester nutzen wollen, um in kurzen gemeinsamen Gesprächsrunden Inhalte und kritische Punkte der Literatur zu diskutieren.


  • Hier geht es um den Menschen und seinen Sprachgebrauch aufgrund von soziologischen Eigenschaften. Dabei spielt etwa seine Zugehörigkeit zu Klassen, sozialen Netzwerken oder Praxisgemeinschaften eine große Rolle. Behandelt werden einschlägige Arbeiten zur sogenannten Variationslinguistik, die in drei Wellen aus unterschiedlichen Perspektiven auf die relevanten sprachlichen Merkmale schaut.

    Nicht verfügbar, außer: Sie sind in WiSe 2022/23
  • Diese Studien betrachten aus Sicht der Sprachen selbst, welche Arten von Sprachkontakt zu welchen Arten von Veränderungen führen. Das "Founder Principle" bei der Entstehung von Kreolsprachen ist ein wichtiges Thema, genauso wie die "Borrowability Hierarchy", die aufzeigt, welche sprachlichen Merkmale am leichtesten entlehnt werden und welche am schwersten. Bei hochgradigen Wandelprozessen ist auch an Sprachmischungen bis hin zu Mischsprachen zu denken.

    Nicht verfügbar, außer: Sie sind in WiSe 2022/23
  • Erneut steht die Frage im Raum, wie unterschiedlich sich Sprachen - und nebenbei auch Dialekte - in Kontaktsituationen verändern. Der Schwerpunkt liegt nun aber noch mehr auf den verschiedenen Parametern von Sprachkontakt wie etwa Dauer und Intensität, die nicht nur zu "simplification", sondern auch zu "complexification" führen können. Darüber hinaus werden Einstellungen der Menschen zu ihren jeweiligen Sprachen ebenfalls berücksichtigt.

    Nicht verfügbar, außer: Sie sind in WiSe 2022/23
  • Hier geht es um den Menschen und seinen Sprachgebrauch aufgrund von soziologischen Eigenschaften. Dabei spielt etwa seine Zugehörigkeit zu Klassen, sozialen Netzwerken oder Praxisgemeinschaften eine große Rolle. Behandelt werden einschlägige Arbeiten zur sogenannten Variationslinguistik, die in drei Wellen aus unterschiedlichen Perspektiven auf die relevanten sprachlichen Merkmale schaut.

    Nicht verfügbar, außer: Sie sind in 2022
  • Diese Studien betrachten aus Sicht der Sprachen selbst, welche Arten von Sprachkontakt zu welchen Arten von Veränderungen führen. Das "Founder Principle" bei der Entstehung von Kreolsprachen ist ein wichtiges Thema, genauso wie die "Borrowability Hierarchy", die aufzeigt, welche sprachlichen Merkmale am leichtesten entlehnt werden und welche am schwersten. Bei hochgradigen Wandelprozessen ist auch an Sprachmischungen bis hin zu Mischsprachen zu denken.

    Nicht verfügbar, außer: Sie sind in 2022
  • Erneut steht die Frage im Raum, wie unterschiedlich sich Sprachen - und nebenbei auch Dialekte - in Kontaktsituationen verändern. Der Schwerpunkt liegt nun aber noch mehr auf den verschiedenen Parametern von Sprachkontakt wie etwa Dauer und Intensität, die nicht nur zu "simplification", sondern auch zu "complexification" führen können. Darüber hinaus werden Einstellungen der Menschen zu ihren jeweiligen Sprachen ebenfalls berücksichtigt.

    Nicht verfügbar, außer: Sie sind in 2022
  • Immer zu Beginn eines jeden Semesters findet eine erste gemeinsame Besprechung statt. Auch wenn es sich bei dem Selbststudienmodul eben um ein Modul handelt, das Studierenden die Möglichkeit gibt, nach eigenem Tempo und in eigener Regie/Zeitgestaltung vorzugehen, hat es sich doch als hiflreich erwiesen, ein wenig Struktur zu verleihen und die zentralen Eckdaten zu beschreiben, damit das Lesen der Materialien nicht so ganz im "Freiflug" erfolgt.

    Ich werde die Liste an Literatur einmal kurz durchgehen, ein wenig zum Aufbau des Kurses sagen, und wir sprechen die weiteren Termine ab, die wir später im jeweiligen  Semester nutzen wollen, um in kurzen gemeinsamen Gesprächsrunden Inhalte und kritische Punkte der Literatur zu diskutieren.

    Nicht verfügbar, außer: Sie sind in 2020-21
  • Das Worddokument enthält einige Hinweise. Auf Seite 1 Beispielfragen. Auf Seite 2-4 einen Begleittext zu den Mini-Videos, die ich auch noch hier einstelle.
    • Beispiele und Begleittext zu den Videos. Es ist wichtig, die pdf Datei offen zu haben, damit man an den entsprechenden Stellen auf die Videos clicken kann...

    • Hier wird nun etwas gesagt in sehr deutlicher Weise. Eine Sprache in einer Kontaktsituation wird einfacher (also enthält weniger komplexe Strukturen). Das ist zwar so absolut nicht richtig, aber es ist immerhin ein nicht seltenes Szenario. Dadurch, dass das sogar noch durch die beiden konkreten Sprachszenarien Swahili und Afrikaans illustriert wurde, würde ich sogar zu Note 3 tendieren. Wenn dies nicht direkt in der Antwort gekommen wäre, hätte ich auch noch mal genau danach gefragt: „Können Sie mal ein deutliches Beispiel dafür nennen?“; wenn dann nur die Sprachnamen als Antwort kämen, ok, ausreichend. Bei etwas mehr Stoff und konkreter Veranschaulichung dessen, was diese Sprachen nun einfacher macht, könnte ich es auch mit befriedigend (3) benoten. Das wäre zum Beispiel der Fall durch die Nennung von grammatischen Kategorien oder Konstruktionen, die davon betroffen sind, oder auch durch die typologische Zuordnung der Sprachen, wie hier in der Antwort („Bantu hat ja meist Ton, die Kontaktsprachen wie Arabisch und so aber nicht; deswegen ist das im Swahili verloren gegangen“).


    • Bei dieser Antwort bleibt es dann dabei. Da ist nicht viel zu retten. So schnell aber gebe ich als prüfende Person nicht auf und setze noch mal nach.

      „Können Sie denn den Fall des Mbugu/Ma’a etwas illustrieren? Was ist daran komplex?“


    • Damit würde ich sagen, dass eine Note 2 bei diesen Antworten gerechtfertigt ist, denn die Antwort im ersten der beiden eben gesehenen Videos (04a) ist nicht super prickelnd, aber durchaus ok: faktisch zutreffend, auch Mous als maßgeblicher Beitragender hierzu ist sogar noch mit erwähnt worden. Im zweiten Video (04b) – tja, da müsste man natürlich sagen, die Antwort erzählt ja eigentlich von etwas, wonach gar nicht gefragt wurde. Also ne 1 gibt es dafür nicht. Aber ne 2 finde ich trotzdem ok. Denn in der Tat ist ja dargestellt worden, dass es sich beim Mbugu um eine Mischsprache handelt, und dann wird dieses Konzept eben an einem anderen Beispiel ausgemalt, hier eben Media Lengua zwischen Quechua und Spanisch.


    • Allerdings müssen Sie hierbei dann aufpassen. Zum Beispiel würde man für eine glatte 1,0 dann zum Beispiel als Prüfender noch mal reingrätschen und fragen, wer sind denn diese Wissenschaftler*innen, an die Sie da denken? Und dann müsste man für die perfekte Antwort schon sagen können, dass zum Beispiel Thomason und Kaufman 1988 von einem bantuisierten Kuschitisch ausgehen (also ein Fall massivster Entlehung auf allen Strukturebenen – so sehr, dass die Sprache heute auf den ersten Blick als dem Bantu zugehörig erscheint). Aber zum Beispiel nimmt Brenzinger eher einen U-turn an (Wechsel historisch von A nach B, dann aber unterbrochen und wieder die Gegenrichtung beschritten; die Details interessieren hier nicht und würden auch in der Prüfung keine Rolle spielen, denn wir reden ja nur über ein Beispiel.) Und Mous selbst geht von einer manipulativen Behandlung durch die Sprecher*innen aus.

      Und daran anschließend kann der Prüfende dann auch auf andere, nachfolgende Teile übergehen. Zum Beispiel nämlich dann eine andere Person in der Runde zu fragen, was denn nun aber den Ausschlag gibt, ob eine konkrete Kontaktsituation nun also zu Vereinfachung oder zu höherer Komplexität führt. Da sollten dann Dinge einfallen zur Frage der Zweitsprachenlernbarkeit. Und wissenschaftshistorisch – das hat Trudgill schön im Angebot – die Tatsache, dass die beiden Positionen von verschiedenen Personen in unterschiedlicher Weise vertreten wurden; allerdings nicht zufällig, sondern systematisch. Die Sprachtypologie sagt, nebeneinander bestehende Sprachen in einem Kontaktraum tendieren dazu, komplexer zu werden. Die Sprachsoziologie blickt stärker auf die Fälle von Kontakt mit Vereinfachungseffekten. Wie diese beiden Positionen in Einklang miteinander zu bringen sind, dafür sollten Sie eine Erklärung parat haben.


    • Hier sind viele kleine Leuchtfeuer als Stichwort gegeben worden. Zunächst mal eine absolut zutreffende Antwort. In der Tat ist Sprachkontakt im Nguni geprägt von in die Gemeinschaften aufgenommenen Sprecher*innen von Khoisansprachen über längere Zeit und dementsprechend sicher auch mit längeren Phasen voll ausgeprägter Mehrsprachigkeit. Im Swahili – so die landläufige Meinung – ist es eher so, dass die Sprache schon lange Zeit im Handel gerade auch unter Personen verwendet worden ist, die sie als später erworbene Fremdsprache nutzen. Was dazu führt, dass „unvollständig gelernt“ wird, mit all den Effekten, die Trudgill (und zig andere) für "post critical threshold learning" mit sich bringen. Aber dann kamen eben auch schon die Hinweise auf Lernbarkeit, etc. wo sich die Antwort dann verliert und in verschiedene Richtungen abzudriften droht.

      Da würde ich dann bestenfalls nochmal in die Tiefe bohren können, und dann kann es passieren, dass man auf immer dünneres Eis gelangt. Nachhaken könnte und würde ich wohl bei den Konzepten von Simplifizierung. Was meint das eigentlich? Wann würden wir bei einer Sprache sagen, sie sei weniger komplex als eine andere, vielleicht verwandte? Lernbarkeit im Zweitspracherwerb ist hier der Schlüssel (und die von Trudgill in den Vordergrund gestellte Dimension). Sie motiviert praktisch, warum es zu Simplifizierung im Sprachkontakt kommen kann. Und simplification im Sinne Trudgills meint: (1) Abbau von unregelmäßigen Formen durch analoge regelhafter scheinende Formen; (2) erhöhte Transparenz; (3) Reduktion der Zahl grammatischer Kategorien, die eine Sprache zwingend markiert; (4) weniger Redundanz, also zum Beispiel der Abbau von Markierung des grammatischen Geschlechts und Numerus-Markierung an abhängigen Redeteilen.

       

      So – damit genug. Ich hoffe das gibt einen Eindruck von der mündlichen Prüfungssituation. Bei Fragen oder Unsicherheiten, bitte gern noch an mich wenden. (Axel Fanego, Sommersemester 2021)