Abschnittsübersicht
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Noch einmal ein etwas genauerer Blick darauf, wie wir mit Sprache Dinge erreichen.
Zu den zentralen Konzepten, die wir in diesem Themenabschnitt behandeln, zählt die ethnography of speaking. Mit Blick auf die Geschichte der Sprachwissenschaft sollten wir im Blick behalten, dass mit der Durchsetzung strukturalistischer Ideen und dem Weg zur generativen/formalen Linguistik nicht alle Fragen von Sprache und tatsächlicher Interaktion in den Hintergrund traten.
Dell Hymes betonte, dass wir den sprachwissenschaftlichen Blick nicht vollends von der parole/der Performanz abwenden dürften. Sprachliche Äußerungen sind nicht allein Propositionen. Was wir mit Sprache machen ist nicht einfach, uns mit Sätzen gegenseitig zu beschallen, die eine versprachlichte Referenz auf einen Ausschnitt in der Welt darstellen. Unser Sprechen ist sprachliches Handeln. Wir bezwecken mit den Aussagen, die wir treffen, einen Effekt bei unserem Gegenüber. Die grundlegende Idee ist also, dass Sprache im situiert ist, also nie kontextfrei.Es hat dann unterschiedliche Vorschläge gegeben mit Blick darauf, wie geordnet unser sprachliches Agieren verläuft. Die Sprechakttheorien von John Langshaw Austin und John Searle widmen sich dem. Austin (1962, basierend auf einer Vorlesung von 1955) behandelt dies in How do things with words. Darin unterscheidet er in Sprechakten die drei Dimensionen der lokutionären, der illokutionären und der perlokutionären Akte. Locutions, illocutions und perlocutions auseinanderzuhalten, ist ein wichtiger Grundbaustein im Veständnis davon, wie Sprache jenseits der (relativ) einfachen Referenz sinnstiftende Kommunikation ermöglicht.Ein weiterer sehr wichtiger Baustein in dieser Hinsicht ist der Betrag von Paul Grice zu den kommunikativen Maximen. Grice postuliert, dass funktionierende Kommunikation die Einhaltung bestimmter Grundkonventionen erfordert. Durch eine gezielte Verletzung können allerdings bestimmte Effekte hervorgerufen werden, die ebenfalls systematisch pragmatische Bedeutung herstellen (z.B. Ironie).Und schließlich gehört zur sprachlichen Pragmatik auch der gesamte Bereich der politeness. Auch hierzu einige Kernbegriffe im Kurs - v.a. die Vorstellung von face "Gesicht" (in der Bedeutung von "gesichtswahrend"/face-saving)...am spannendsten an all diesen Fragen finde ich, dass hier oft die Interaktion universeller Erfordernisse (Kommunikation muss ja überall und auch über Sprachgrenzen hinweg funktionieren) und kultur- und sprachspezifischer Ausprägungen besonders eklatant aufeinanderprallen.